Grenzsteine
Im Bestreben, uns Gegenwärtigen und der Nachwelt kulturhistrisch wichtiges Gut aus vergangenen Tagen zu bewahren, kam bei uns die Idee auf, alte historische Grenzsteine in unserem Freigelände aufzustellen. Dabei war uns von vornherein klar, daß wir uns auf nur wenige, jeweils typische Exemplare beschränken mußten.

Der Anstoß für die Suche nach solchen Stücken und anschließend auch vielältige Mithilfe bei der Sammeltätigkeit kam von Herrn Dipl.-Ing. Karl Paulus, den ich hier besonders herzlich begrüße. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet, denn er hat viele Steine ausfindig gemacht, den Kontakt zu den Besitzern hergestellt und auch selbst manchen Stein geborgen. Ich möchte ihn daher auch bitten, uns anschließend einiges Interessante aus seinen Erlebnissen beim Auffinden und Bergen der Steine zu berichten.

Besonders begrüßen möchte ich auch die Damen und Herren der Forstverwaltungen, die uns eine Reihe von Steinen zur Verfügung , gestellt und uns auch bei der Bergung in jeder Weise unterstützt haben. Ohne ihre Hilfe würde die jetzt vorgestellte Grenzsteinausstellung wesentlich bescheidener ausgefallen sein.

Auch Herrn Dr. Hans-Joachim Kann, den ich ebenfalls gern besonders begrüßen möchte, verdanken wir ein Konvolut von interessanten Steinen, die er als herrenloses Gut vor dem endgültigen Verschwinden auf Deponien oder sonstwo bewahrt hat. Er hat eine Reihe von Grenzsteinen bereits wissenschaftlich bearbeitet und wird uns freundlicherweise bei den weiteren Untersuchungen unserer Steine helfen.

Grenzsteinausstellung

Grenzmarkierungen in irgendeiner Form gibt es, seit die Menschen seßhaft wurden, Grenzsteine in engeren Sinne kamen erst seit dem 15. Jahrhundert auf. Um ein Versetzen von Grenzsteinen zu erschweren, wurden unter oder neben den Steinen sog. "Grenzzeugen" vergraben. Dazu dienten Scherben in bestimmter Anordnung, Täfelchen aus Ton, z.T. auch aus Glas., Knochen usw. Einzelheiten waren nur den sog. Feldgeschworenen bekannt, und so konnte im Zweifelsfalle festgestellt werden, ob ein Grenzstein noch an der richtigen Stelle stand. Das Verrücken eines Grenzsteines wurde als besonders verwerfliches Delikt schwer bestraft.

Von alters her rankten sich manche Bräuche um die Festlegung der Grenzen. Um der nächsten Generation die Lage der Grenzsteine einzuprägen, erhielten z. B. die jungen Leute nach alten rechtsrituellen Formen Äpfel oder Nüsse als Geschenk, mancherorts aber, damit sie es sich umso besser merken sollten, auch einen Backenstreich, wurden an den Haaren oder an den Ohren gezogen.

Trotz unseres eingangs betonten Bestrebens, alte Bräuche hier lebendig zu bewahren, haben wir den letzten der erwähnten Bräuche bei Setzen dieser Steine jedoch nicht wieder aufleben lassen, sonst wäre es bei der stattlichen Anzahl der Steine hier sicherlich zu einer größeren Schlägerei gekommen.

(Anprache des Museumsleiters Dr. U. Haas anläßlich der Eröffnung am 25.07.2004)